Lampenfieber- ich glaube, ich muss sterben!

Lampenfieber- ich glaube, ich muss sterben!

„Das menschliche Gehirn ist eine großartige Sache. Es funktioniert vom Moment der Geburt an – bis zu dem Zeitpunkt, wo du aufstehst, um eine Rede zu halten.“ Mark Twain

Na, mal ehrlich- Sind Sie aufgeregt oder haben Sie sogar Angst, kurz vor und zeitweise während einem Ereignis, bei dem Sie vor anderen Menschen auftreten müssen und während dieses Auftritts im Blickpunkt stehen? Dann haben Sie Lampenfieber. Die Umgangssprache kennt auch andere verwandte Phänomene, so das so genannte Fracksausen, wenn man vor einer wichtigen Entscheidung oder vor einem Termin Angst bekommt.

Die eigentliche Ursache für das Lampenfieber ist  unser angeborener Überlebensinstinkt. Wenn wir eine für uns gefährliche Situation wahrnehmen, schüttet unser Gehirn Adrenalin aus, das uns in die Lage versetzt, uns  in Sicherheit zu bringen oder sich kämpfend zu stellen. Das war schon in der Steinzeit besonders wichtig, da damals die Menschen sich vor gefährlichen Raubtieren in acht nehmen mussten oder die Krieger des Nahbarstamms  Leib und Leben bedrohten. In unserer modernen Welt sind diese archaischen Gefahren eher die Ausnahme. Heute haben viele z. B.  Angst, sich zu blamieren, sich lächerlich zu machen, den Faden zu verlieren, etwas Falsches zu sagen, kurz: Angst vor dem Versagen. Der Mensch ist ein Gruppentier und die meisten fühlen sich in der Regel in einer Gemeinschaft sicher und geborgen. Sie ängstigt die Vorstellung, sie könnten wegen ihres Verhaltens aus der Gemeinschaft ausgestoßen werden, womit sie in einer archaischen Umgebung schutzlos wären.

Bei manchen Menschen ist die Angst so groß, sodass sich das Lampenfieber übermäßig stark auswirkt. Folgende Symptome können  bei übermäßigem Lampenfieber beispielsweise auftreten:

• Atemnot
• Schweißausbruch
• Stimme heiser oder zu hoch, Zittern in der Stimme
• Mundtrockenheit
• „Black Out“- die berühmte Leere im Hirn- alle geplanten guten Formulierungen sind plötzlich weg.
• Reduktion der Lautstärke und der stimmlichen Modulation
• Stottern und Stammeln
• Muskelzittern in Gliedmaßen oder im Gesicht
• Wortfindungsstörungen und Formulierungsprobleme

und vieles andere mehr!

Lampenfieber positiv nutzen

Einige Menschen jedoch scheint gerade dieses „Im Blickpunkt stehen“ zu beflügeln. Sie scheinen in der Lage zu sein, Ihren Adrenalinschub zu steuern und zu kanalisieren. Sie mobilisieren alle Kräfte und ordnen sie einem Ziel unter.  Sie können sich in einen hellwachen und hochkonzentrierten Zustand zu versetzen. Sie sind mit allen Sinnen im Hier und Jetzt und es gelingt ihnen scheinbar mühelos, andere überzeugen. Mit einem richtig dosierten Adrenalinschub können sie „Berge versetzen“. Die besten Schauspieler  und Leistungssportler haben Lampenfieber und nutzen es für Ihren großen Auftritt oder für die Jagd auf Rekorde.

Doch viele von denen, die scheinbar von der Natur mit Coolness und Überzeugungskraft gesegnet sind, bedienen sich verschiedener Übungen, um einen ausgewogenen Adrenalinspiegel zu erreichen, damit sie im „Ernstfall“ handlungsfähig sind.

So zähmen Sie Ihr Lampenfieber:

1. eine körperlich-mentale Vorbereitung mindestens fünfzehn Minuten vor dem Auftritt (führen die meisten Bühnenprofis vor jedem Auftritt durch)

  • Atem- und Körperübungen zur Entspannung und Zentrierung senken nachweislich den Adrenalinspiegel.
  • Konzentrationsübungen/ Meditation zur Fokussierung, um „ganz bei Sinnen“ zu sein.
  • Den Vortrag innerlich vorher noch einmal durchgehen.
  • „Positives Denken“- stellen Sie sich vor, dass alles wunderbar klappt und der Auftritt zu einem Erfolg wird.

2. gute Vorbereitung

  • klares Konzept
  • klare, rhetorische Struktur
  • evtl. Schreiben von Moderationskarten

Zu guter Letzt:

Denken Sie daran: in den allermeisten Fällen ist unsere Auftrittsangst unbegründet, da die meisten unserer Zuseher und Zuhörer nicht zur Gattung „Menschenfresser“ zu zählen sind. In der Regel wollen die Zuhörer, dass Ihr Auftritt gelingt, damit sie Informationen von Ihnen erhalten.
Haben Sie keine Angst vor Fehlern- wir sind alle Menschen und fehlbar. Fehler werden Ihnen immer verziehen und machen Sie für Ihre Zuhörer sogar sympathischer (wer mag schon fehlerlose Leute?). Außerdem sind für Ihr Publikum die allermeisten Fehler gar nicht erkennbar- denn nur Sie wissen in der Regel, was in Ihrem Vortrag richtig oder falsch ist.
Machen Sie einfach weiter, „Fehler versenden sich“, sagt man beim Fernsehen.

Frank Gutjahr ,Gutjahr-Training- Stimmige Rhetorik für Führungskräfte; www.gutjahr-training.com